Bericht des Vorstands 2019

Rückblick

Der Aufbau einer neuen Ausgangslage für den Finanzplatz Schweiz setzte sich auch in diesem Berichtsjahr fort. Der Vorstand des Verbands der Auslandsbanken ist bemüht, gegenüber Finanzplatzorganisationen die Rolle und den Beitrag der Auslandsbanken zum internationalen Finanzplatz Schweiz zu bestätigen. Der Austausch hilft nicht nur der Information der Mitglieder; vor allem können die Auslandsbanken Information aus der Gruppe im Ausland in die laufenden Projekte einbringen und so den Finanzplatz international stärken.

Nachhaltigkeit

Der Verband begann das Berichtsjahr mit seiner Jahresversammlung, deren Konferenz dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet war. Der Verbandsvorstand hatte dieses Thema gewählt, um seine Relevanz aufzuzeigen und die Rolle der Schweiz hervorzuheben. Die gute Ausgangslage des Schweizer Finanzplatzes wurde dabei bestätigt. Die Referenten aus unterschiedlichen Bereichen zeigten die Opportunitäten des hierzulande über die Jahre entstandenen Cluster auf: die Erfahrung "on the ground" der internationalen Organisationen aus den Bereichen Humanitäres und Umwelt fliesst zusammen mit der Kompetenz der Vermögensverwalter, die sich seit Jahrzehnten mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandersetzen. Auf Regierungsebene laufen Initiativen, um die Schweiz international als Kompetenzzentrum zu positionieren und sie mit anderen Ländern weltweit zu vernetzen.

Als führender Finanzplatz in der Vermögensverwaltung kann die Schweiz eine massgebliche Rolle bei der Stärkung nachhaltiger Anlageklassen spielen. Die Bankenverbände in der Schweiz nehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst und wollen nebst anderen Initiativen auch einheitliche Empfehlungen für die Investitionstätigkeit und Beratung von Kunden vorlegen. Der Verbandsvorstand wünscht sich unter anderem, dass eine international akzeptierte Taxonomie zur Klassifizierung der Anlagen bald verabschiedet werde. Anleger und Finanzdienstleistungsunternehmen wollen sich auf allgemein bekannte Standards berufen können. Daher macht es Sinn, wenn die Schweiz sich bei den Arbeiten internationaler Gremien einbringt und mithilft, einen Referenzrahmen zu definieren. Viel wurde bereits umgesetzt, unter anderem auch durch den Branchenverband Swiss Sustainable Finance, deren Statistiken die stark steigende Nachfrage an nachhaltigen Anlagen aufzeigen.

Der Verbandsvorstand hat vom zweiten "Climate Compatibility Assessment" Kenntnis genommen und alle Mitgliedsbanken zur Teilnahme eingeladen. Die internationale Evaluation misst den Fortschritt der einzelnen Länder bei der Umsetzung des Pariser Klimavertrags. Die Evaluation wurde angepasst und untersucht neu auch Anlageportfolios – in Wertschriften und Immobilien – auf deren Klimaverträglichkeit. Erste Resultate werden im Herbst 2020 erwartet. Diese erlauben den teilnehmenden Finanzinstituten, eigene Vergleichsanalysen zu erstellen. Die Regierung kann feststellen, wo die Schweiz im internationalen Vergleich steht.

Es wird interessant sein, zu sehen, wie das neu-gewählte Parlament mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen wird. Insbesondere die Grünen und die Grünliberalen haben stark an Gewicht gewonnen, unter anderem auf Kosten der traditionellen wirtschaftsfreundlichen Parteien. Diese neue Gewichtsverteilung wird kaum spurlos an der Gesetzgebung vorbeigehen und mit dem CO2-Gesetz steht ein erstes grosses Projekt an.

Grenzüberschreitende Dienstleistung

Für den Schweizer Finanzplatz ist die internationale Dimension nicht wegzudenken – und für die Auslandsbanken in der Schweiz noch viel weniger. Es erstaunt daher kaum, dass Fragen zur internationalen Vernetzung den Verbandsvorstand auch im laufenden Geschäftsjahr beschäftigt haben.

Leider ist auf zwischenstaatlicher Ebene nur wenig Fortschritt zu verzeichnen. Die deutsche Aufsichtsbehörde BaFIN hat im Herbst 2019 das Freistellungsregime mit der Schweiz und die Wahrung des Anlegerschutzes untersucht. Die Banken in der Schweiz koordinieren ihre Antwort; die deutsche und die schweizerische Behörde setzen ihre gute Zusammenarbeit fort. Italien hat eine sehr restriktive Umsetzung von MiFID II vorgenommen, die von Drittlandinstituten eine lokale Präsenz verlangt. Mit dem Vereinigten Königreich könnten nach abgeschlossenem Brexit formell Verhandlungen zur Schaffung einer Partnerschaft beginnen. Potential birgt diese Partnerschaft insbesondere, wenn, wie angedacht, sich weitere internationale Finanzplätze anschliessen.

Für die Auslandsbanken ist eine klare Regelung des Marktzutritts, also der grenzüberschreitenden Erbringung von Finanzdienstleistungen, von zentraler Bedeutung. Traditionell ist der EU Markt sehr wichtig. Einzelne EU-Länder gehören nach wie vor zu den grössten Abnehmern von Finanzdienstleistungen aus der Schweiz. Die regulatorischen Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen in Europa werden immer komplexer und anspruchsvoller. Infolgedessen richtet sich eine wachsende Anzahl Auslandsbanken auf andere, nicht-europäische Märkte aus. Oft kann eine Schweizer Tochtergesellschaft dabei auf das Netzwerk des Mutterkonzerns zurückgreifen – nicht nur bei der Anbahnung, sondern auch beim Unterhalt der Kundenbeziehung.

Die Auslandsbanken sind in einem Segment aktiv, in dem sie gegenüber den Schweizer Banken dank ihrer globalen Präsenz einen klaren Vorteil haben. So bedienen Auslandsbanken ihre internationale Kundschaft zwar in ihrem Mutterland durch Mitarbeiter des Mutterkonzerns, bieten diesen aber die Möglichkeit, Produkte und Dienstleistungen wie auch die Verwahrung im Ausland – zum Beispiel aus der Schweiz – zu erhalten. Dieser Ansatz umgeht die Schwierigkeiten beim Marktzutritt und offeriert den Kunden den Zugang zu globalen Märkten und zur Operational Excellence des "Private Banking Swiss Style".

Auch im Kommerzgeschäft stellen die Auslandsbanken ihren Kunden ihr globales Netzwerk zur Verfügung. Viele schweizerische KMU sind international tätig und daher auf eine internationale Bank angewiesen, welche über eine globale Präsenz und gute Kenntnis der lokalen Märkte verfügt. Die KMU schätzen daher Bankbeziehungen zu einer Auslandsbank, mit der sie hierzulande ihre internationalen Finanzangelegenheiten abwickeln können. Sie ersparen sich so die Komplexität von Bankbeziehungen im Ausland sowie den Unterhalt von Beziehungen zu unterschiedlichen Banken in mehreren Ländern.

Die Frage des Marktzugangs – insbesondere gegenüber den EU-Ländern – ist nach wie vor ungelöst. Häufig suchen sich die Auslandsbanken deshalb Nischen, in denen sie ihre Kernkompetenzen entfalten und für die Schweizer Wirtschaft Mehrwert schaffen können.

Ausbildung

Der Vorstand stand im Berichtsjahr in regem Austausch mit dem Swiss Finance Institute (SFI), das gegenwärtig sein Ausbildungsangebot überarbeitet. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Forschung, bei der das SFI zu den weltweit besten Plattformen gehört, und praktischer Ausbildung der Fachleute bei Finanzinstituten zu schlagen. Der Verbandsvorstand hat sich mit der Leitung des SFI ausgetauscht und bei den Verbandsmitgliedern die Erwartungen und Bedürfnisse abgefragt. So konnte er den Bedarf nach Fachseminaren in Form von kurzen Diskussionsforen zwischen Forschern des SFI und Bankern bestätigen. Die ersten Entwicklungen zeigen in eine gute Richtung – die "Master Classes" und die "Knowledge Exchange Seminars" des SFI stossen auf reges Interesse, auch bei den Auslandsbanken. Dank den vertieften Kontakten und dem regelmässigen Austausch kann das SFI besser auf die Bedürfnisse der Auslandsbanken eingehen und angepasste Ausbildungsanlässe organisieren. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass das SFI die Erwartungen trifft und nicht nur für die Banker, sondern auch für die Banken einen Mehrwert schafft. So finden 16% der Absolventen von Angeboten des SFI, die im Finanzsektor arbeiten, eine Anstellung bei den Auslandsbanken. Die SFI Seminare können bei der Erneuerung der SAQ Kundenberaterzertifizierung angerechnet werden, was die Anerkennung beider Institutionen stärkt.

Das SFI ist unter den ersten drei Ausbildungszentren in Finanzfragen in Europa und unter den ersten zehn weltweit. Es gilt in den kommenden Jahren, die gute Position des SFI unter den Universitäten in Banking and Finance zu halten und zu stärken. Der vertiefte Austausch zwischen Industrie und Forschung wird einen wichtigen Beitrag leisten. Die Auslandsbanken werden sich hier einbringen.

Digitalisierung

Die Digitalisierung blieb auch in diesem Jahr ein wichtiges Thema für den Verbandsvorstand und seine Mitglieder. Der Vorstand hat sich mehrmals mit den Herausforderungen und Opportunitäten befasst, welche die neuen Technologien für den internationalen Finanzplatz bringen können. So bestätigte der Austausch mit Vertretern von Swiss Digital Exchange die Stärken einer integrierten Börseninfrastruktur, wie die der SIX Group, wenn es darum geht, neue Marktsegmente zu eröffnen. Die Erfahrung von SIX Group bezüglich Handel, Übertrag und Verwahrung von Wertpapieren ist sofort greifbar und kann leicht auf neue Werte – digitale Werte – übertragen werden. Vorteilhaft ist die Tatsache, dass die SIX Group als von der FINMA beaufsichtigtes Institut die regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben bestens kennt und sich gewohnt ist, damit umzugehen.

Später im Jahr hat sich der Verbandsvorstand mit Vertretern des Bankenplatzes Lugano getroffen und über Künstliche Intelligenz und ihre Anwendbarkeit bei Banken gesprochen. Zwar ist der Forschungsstandort Tessin klein, aber dank der kurzen Wege entstehen rasch Partnerschaften, die zu interessanten Synergien führen und Ideen entstehen lassen. Künstliche Intelligenz bietet wertvolle Nutzungsmöglichkeiten, auch für das Private Banking. Sie soll den Kundenberater in seiner Interaktion mit dem Kunden nicht ersetzen, aber unterstützen. Sie kann Verhaltensweisen und Anlagepräferenzen der Kunden systematisch erfassen, Kundenprofile rasch analysieren und auf die spezifischen Kundenbedürfnisse massgeschneiderte Anlagelösungen erarbeiten.

COVID19

Die globale Verbreitung des Coronavirus im Frühjahr 2020 stellte die Wirtschaft und den Bankenplatz vor grosse Herausforderungen. Plötzlich wurden die während Jahren vorbereiteten Notfallszenarien Wirklichkeit und das oft herbeigesehnte Home Office zum erzwungenen Alltag. Nicht mehr Sitzungen hier und dort, sondern Video Konferenzen dann und wann prägten den Alltag. Der unvorstellbare Stillstand der Wirtschaft rückte je länger je näher, sodass sukzessive Schulen geschlossen wurden und Mitarbeiter begannen, von zu Hause zu arbeiten. Zur Unterstützung der Wirtschaft, insbesondere der KMU, hat der Bundesrat zusammen mit den Banken in wenigen Tagen ein Programm entworfen, das in den ersten Wochen tausenden von Firmen zu mehreren Milliarden an Liquidität verholfen hat. Mehrere im Kommerzgeschäft tätigen Auslandsbanken haben sich vom ersten Tag an am Programm beteiligt. Es traten am Anfang gewisse Schwierigkeiten auf und es war unklar, ob auch von der Zweigniederlassung einer Auslandsbank gewährte Kredite bei der Nationalbank refinanziert werden. Dank der koordinierten Intervention der Interessenverbände konnten schlussendlich ausländisch und schweizerisch beherrschte Banken auf dieselbe Weise am Programm teilnehmen.

Verbandsaktivitäten und Personalien

Im Berichtsjahr hat die Stabsübergabe auf der Geschäftsstelle stattgefunden. Geschäftsführer Martin Maurer wünschte, auf Ende 2019 in den vorzeitigen Ruhestand zu treten. Sein langjähriger Stellvertreter Raoul Würgler hat die Geschäftsführung am 1. Januar 2020 übernommen. Er wird dabei von Florian Specht unterstützt, der im Dezember 2019 zur Geschäftsstelle gestossen ist. Um die administrativen Belange kümmert sich weiterhin Elisabel Lopez, die dem Verband seit mehreren Jahren angehört.

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich die Verbandsarbeit durch Kontinuität aus. Die vor einigen Jahren eingeführten CEO-Lunches bleiben ein wichtiges Forum für den Austausch zwischen Mitgliedsinstituten und Vorstand und sind wertvoll für die Entwicklung der Verbandsarbeit. Die alljährlichen Treffen mit Vertretern der Schweizerischen Nationalbank, der FINMA-Kommission und Geschäftsleitung sind ein wertvoller Rahmen, um die Situation der Auslandsbanken in der Schweiz zu erörtern. Die neu aufgenommenen Treffen mit dem Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen SIF sind eine weitere Gelegenheit zum Austausch zwischen Auslandsbanken und den Behörden. Die Gespräche behandelten immer wieder Fragen zu den internationalen Märkten und den Regeln des Zutritts.

Dieses Jahr hat auch wieder ein Treffen mit dem Vorstand und der Geschäftsleitung der SIX Group stattgefunden. Neben den strategischen Fragen der SIX Group war Cybersecurity ein Thema; es ist sowohl für Banken als auch für die SIX als Infrastrukturanbieter von grösster Bedeutung.

Die Geschäftsstelle hat wiederum etwa 50 Veranstaltungen zu regulatorischen Themen organisiert und in regelmässig publizierten Informationsschriften zu aktuellen Neuerungen informiert. Weiterhin finden in der Ostschweiz und in Lugano regelmässig Treffen statt, in denen das Sekretariat über anstehende Themen orientiert und mit den Mitgliedsinstituten diskutiert. Die CRS/FATCA -Umsetzungsgruppe in Genf gibt den dortigen Instituten, darunter auch schweizerischen Banken sowie Trusts und Vermögensverwaltern, die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

Die 47. Generalversammlung vom 5. Juni 2019 wählte folgende Mitglieder neu in den Vorstand: Alex Classen, HSBC Private Bank (Suisse) SA; Peter Gabriele, J.P. Morgan (Suisse) SA; Alfonso Gómez, BBVA (Suiza) SA; Anne Marion-Bouchacourt, Société Générale Switzerland; Claudio de Sanctis, Deutsche Bank (Switzerland) Ltd; Monique Vialatou, BNP Paribas (Suisse) SA. Der Vorstand hat Alex Classen, HSBC Private Bank (Suisse) SA, als zweiten Vizepräsidenten ernannt. Kurz nach seiner Wahl wieder aus dem Vorstand ausgeschieden ist Claudio de Sanctis, da ihm neue Funktionen in seiner Bank zugeteilt wurden.

Als Prüfer wurden Gabriele Domenighetti, Banca del Sempione SA, und Silvio Fischer, Banque Internationale à Luxembourg (Suisse) SA für eine weitere Amtsperiode gewählt.

In den Kommissionen und Steuerungsausschüssen der Schweizerischen Bankiervereinigung sind folgende Änderungen zu verzeichnen: In der Kommission für Finanzmarktregulierung und Rechnungslegung wird der Verband neu durch Dieter Semling, LGT Bank (Schweiz) AG vertreten, nachdem Bernard Fishman zurückgetreten ist. Didier Kreutter nimmt neu Einsitz in die Expertengruppe Informationssicherheit und Cyber Defense, anstatt seines Kollegen Reto Somalvico, Bank J. Safra Sarasin AG.

Soren Mose wurde vom Verbandsvorstand für ein weiteres Mandat als Vertreter im SIX Verwaltungsrat vorgeschlagen. Des weiteren ist Patrick Vögeli, BNP Paribas (Suisse) SA, aus dem SIX Regulatory Board zurückgetreten; der Vorstand ist an der Regelung der Nachfolge. Im Sounding Board des Swiss Finance Institute vertritt Martin Menzi, BBVA (Suiza) SA, unsere Bankengruppe.

 

An dieser Stelle danken wir allen, die unsere Arbeit unterstützen und sich für die Anliegen der Auslandsbanken und des Verbandes einsetzen, für ihre Mitarbeit und ihr Engagement.


Zürich, Mai 2020